Kirchentag 2017 in Berlin

10. Juli 2017

„Wie evangelisch ist/war der DeutscheEvangelische Kirchentag?“

Diese vom christlichen Nachrichtenmagazin „idea-Spektrum“ aufgeworfenen Frage möchte ich heute aus meiner Sicht heraus beantworten, nachdem alle unterschiedlichen Eindrücke nun gedanklich verarbeitet sind.

Wenn man nur die von den Medien übertragenen Berichte und live gesendeten Großveranstaltungen reflektiert, muss man den Eindruck haben, dass 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation, nicht mehr viel von den Aussagen und Erkenntnissen der Reformatoren übrig geblieben ist. Scheinbar entwickelt sich der Kirchentag seit Jahrzehnten immer mehr zu einem politischen Happening und Event, auf dem die biblische Botschaft nur noch als Beiwerk und Randerscheinung dient.

Darüber geht leider unter, dass es eine Vielzahl von Veranstaltungen gab, die die zentralen Aussagen der Schrift zum Inhalt hatten, und dass auch heute noch bei solchen Veranstaltungen Menschen mit dem Evangelium erreicht werden. Dass eine solche Situation besteht, müssen wir bedauern, sollten aber diese Lage als Herausforderung für unseren persönlichen Glauben und unser Zeugnis für Jesus Christus annehmen. Mit der Hilfe unseres Herrn Jesus konnten wir – Jonas Herrmann, Hans-Christian Köhnke und ich seitens AKS und CoV – unsere Mitarbeit unter dem Dach der ev. Militärseelsorge im zuvor beschriebenen Sinn erfüllen.

Unser Dienst in der „Koje“ - dem Stand des EKA unter der Überschrift „Kirche unter Soldaten“ - wurde durch die geistliche Gemeinschaft aller Mitarbeiter/-innen aus der Militärseelsorge, Soldaten und Soldatinnen und deren Angehörigen geprägt. Diese Gemeinschaft übertrug sich auch auf die Nachbarinfostände von Diakoniewerken, der Polizei- und Feuerwehrseelsorge sowie der CPV (Christliche Polizeivereinigung). Unsere Andachten zum Dienstbeginn mit Gebet und Liedern, zum Schichtwechsel um 14:00 Uhr und zum Tagesabschluss, wurden geschlossen von den Mitarbeitern dieser Stände besucht. Auch in den Gesprächen während der einzelnen Tage spürte man die geistliche Einigkeit, und wir konnten in den einzelnen Kontakten nicht nur unseren Dienst vorstellen, sondern immer wieder das Evangelium an unsere Gesprächspartner weitergeben (auch durch die Abgabe unserer „Soldatenbibel“, dem Soldatengesangbuch „Lebensrhythmen“ und unserer Gebetskarten mit „Vater unser“ und dem christlichen Glaubensbekenntnis). Selbst mit Angehörigen der Friedensbewegung waren einige gute Unterredungen möglich. Ein älterer Herr entschuldigte sich bei mir sogar für das fürchterliche Verhalten der Friedensbewegung auf dem Kirchentag in Hamburg 1981, bei dem wir Soldaten auch von dem damaligen EKD-Vorsitzenden Bischof Scharf und dem Kirchentagspräsidenten Erhard Eppler ausgegrenzt und massiv beschimpft wurden. - Ich bin mir allerdings darüber im Klaren, dass diese Bereitschaft zu gegenseitigem Respekt bei weitem nicht von allen Anhängern der Friedensbewegung geteilt wird. -

Im Rückblick möchte ich auf die von „idea“ angesprochene Frage so antworten: Wieviel „evangelisch“ auf einem Kirchentag dabei ist, hängt auch von unserer Bereitschaft als Mitarbeiter ab, unseren Glauben klar zu bezeugen und die „Frohe Botschaft“ von Jesus Christus weiter zu geben. In diesem Sinne freue ich mich schon auf den nächsten Kirchentag in Dortmund 2019, auf dem ich – so unser Herr will – wieder mitarbeiten darf.

Udo Dickes