Als Christ und Soldat im Einsatz

Auslandseinsatz der Bundeswehr - 06. Juli 2011

Wie geht ein Christ mit der Einsatzsituation in Afghanistan um? Hilft dabei der persönliche Glaube und das Gebet? Wie bewältigt man die Angst und die Gefahrensituationen? Interview mit Oberleutnant Mathias über seinen Einsatz in Afghanistan.

Du warst in Afghanistan im Bundeswehreinsatz. Dort ist es in letzter Zeit immer gefährlicher geworden. Wie bist Du mit der ständigen Angst und den Gefahrensituationen umgegangen?

Da hat mir mein Glaube sehr geholfen. Die Gefahren sind natürlich allgegenwärtig. Zur Begrüßung im Lager in Afghanistan gibt es einen Raketenbeschuss, der lokale Drogenboss oder Anführer begrüßt so ein neues Kontingent. Auch die Sprengfallen zur „Begrüßung“ sind schon vorbereitet und platziert. Aber man verdrängt das natürlich auch und jeder Soldat hofft und wünscht, dass es ihn nicht trifft. Auch wenn man bei der Einweisung täglich daran erinnert wird, wie man reagieren soll, wenn man in eine Sprengfalle gerät, hofft man jedes Mal, dass es einen selbst und seine Jungs nicht trifft.

Und was kann man konkret in dieser Situation machen?

Auch als Christ muss ich natürlich mit allen Eventualitäten rechnen und sie ansprechen. Bevor ich raus fahre, stelle ich mich immer kurz vor oder hinter das Auto, schließe die Augen, nehme mir diese halbe Minute Zeit und bete. Ich bitte Gott um seinen Segen und bitte ihn, dass er seine Engel um uns stellt.

In zwei Situationen habe ich das vergessen. Wir sind damals aus dem Camp raus gefahren und nach ein paar hundert Metern ist mir das aufgefallen. Da habe ich die Augen geschlossen und den Herrn um Vergebung gebeten, dafür, dass ich das aus eigener Kraft tun wollte und habe gesagt: Herr mach Du das hier.

Zwei oder drei Mal waren auch andere Christen dabei, der Militärseelsorger und noch ein anderer Mitchrist. Da haben wir uns vorher kurz zusammen hinter das Auto gestellt und uns auf die Verheißung verlassen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Wir konnten uns sicher sein, dass Gott Gebet erhört und die Tatsache, dass wir auch die „geistlichen Waffen“ benutzt haben, um die Patrouille zu sichern, das hat uns verstärkte Sicherheit gegeben.

Bringt ein solcher Einsatz für einen Christen besondere Herausforderungen mit sich?

Die Trennung von der Familie ist natürlich besonders hart. Aber ich glaube, dass der Einsatz als Christ einfacher zu bewältigen ist. Ich weiß: Mein Leben ist in Gottes Hand. Das ist dieses Urgefühl von Geborgenheit. Vom ersten Moment an bis zum Abflug habe ich immer gewusst: Ich sitze oder stehe in Gottes Hand. Der Einsatz ist Gottes Wegweisung. Seine Führung und sein Segen begleiten mich und der Einsatz ist sein Wille. Ansonsten habe ich mich und meine Jungs dazu gezwungen, am Sonntag einen Ruhetag einzulegen. Man ist ja eigentlich immer auf „standby“, also immer einsatzbereit und immer gefordert. Ich habe zudem noch für drei Offiziere gearbeitet, die nicht vor Ort waren. Das hat zusätzlich viel Zeit gekostet. Ich habe versucht, am Sonntag auszuschlafen und in den Gottesdienst zu gehen. Meine Jungs sollten sich regenerieren und Sport machen.

Warst Du der einzige gläubige Soldat im Lager?  

Der Militärpfarrer hat mir gesagt, dass im Lager ein Amerikaner ist, David, der auch gläubig sei und oft Gitarre spiele. Deshalb bin ich zu den Amerikanern, habe nach ihm gefragt und ihn auch gefunden. Wir zwei waren gleich ein Herz und eine Seele. Das war wirklich ein Segen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, waren ja sozusagen „verwandt“, waren in der gleichen Situation. Und wir haben gemerkt: Wir sind Licht und Salz hier an diesem staubigen Fleckchen Erde.

Der Uwe, der Militärgeistliche hat dann am Morgen einen Gebetskreis eingeführt, um 6.30 Uhr, also vor Dienstbeginn. Da haben wir auf Englisch gebetet, um Schutz und Bewahrung. Wir haben gespürt, dass diese Gebetskämpfe, die wir in dieser Zeit „gekämpft“ haben, für das ganze Lager ein Segen waren.