Fünf Monate im Kosovo

Kosovo - 2009

Alltag in einer eigenen „Welt“, die komplett auf den Auftrag fokussiert ist. Fünf Monate lang Kontakt zur Familie nur über Telefon und Email und in dieser Zeit weit weg zu sein und zu Hause nicht helfen zu können.

Vier Monate Dienst im Kosovo waren geplant, fünf Monate sind daraus geworden. Dienst in einem Land, das tiefe Wunden aus immer wieder auflodernden Kämpfen der Vergangenheit aufweist. Ein Land, in dem der Großteil der Bevölkerung um das tägliche Überleben kämpft, beschäftigt damit, die Grundversorgung der Familie sicherzustellen.

Ein Zustand, der auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist und doch bei näherem Kontakt mit der Bevölkerung schnell zu Tage tritt. Immer wieder wird von offizieller Seite, vor allem aber von der Bevölkerung klar zum Ausdruck gebracht, dass die KFOR-Soldaten nach wie vor im Land gebraucht werden. Dem augenscheinlichen Frieden zwischen den Volksgruppen trauen die Leute nicht.

Als Offizier war ich  im Süden dieses jungen Staates im Hauptquartier der „Multinational Task Force South“ eingesetzt. Fünf Monate herausgelöst aus dem Alltag, ein einer eigenen „Welt“, die komplett auf den Auftrag fokussiert ist. Fünf Monate lang Kontakt zur Familie nur über Telefon und Email und in dieser Zeit weit weg zu sein und zu Hause nicht helfen zu können.

Da war es mir sehr wichtig zu wissen, dass es Leute gibt, die für mich und meine Familie beten und auch per Email Kontakt mit mir gehalten haben. Es war gut zu wissen, dass ich den Betern vom Arbeitskreis aktuell anstehende Probleme mitteilen konnte, und damit nicht alleingelassen war und dadurch dann auch Stärkung und Ermutigung erfahren habe. Eine Hilfe, die ich dann wiederrum auch anderen Kameraden vor Ort anbieten konnte, für andere da sein zu können, ein offenes Ohr haben zu können. Dies war möglich, weil ich mich durch Gebete aus der Heimat getragen wusste.

Ein Dienst, der mit zunehmender Anzahl deutscher Soldaten im Ausland immer mehr an Bedeutung gewinnen wird, der jedem Einzelnen von uns immer wichtiger werden muss. Unser Herr hat uns ganz klar aufgefordert für unseren Nächsten da zu sein und dieser Nächste ist mein Kamerad oder aber auch der unbekannte Soldat fern unserer Heimat.

Rudi Stegmaier, Hauptmann