30.04.2019

Im Einsatz mit dabei: Die Bibel

Mit der Bibel ins Gespräch über den Glauben kommen Alle ein bis zwei Jahre sammelt Roger Hogan, ein ehemaliger Angehöriger der US-Armee, Geld für den Druck von Bibeln. Immer wenn 10.000 Dollar zusammen sind, lässt er 3.000 Exemplare drucken, mit einer kleinen Einführung in den Glauben versehen, mit einem Einband im Flecktarnmuster binden und verteilt sie über die Militärpfarrämter an die Soldatinnen und Soldaten.

Bibeln im Flecktarneinband (Quelle: PAO / EinsFüKo/Bundeswehr)

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Im Innern der Kapelle (Quelle: PAO / EinsFüKo/Bundeswehr)

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Gunther Wiendl im Gespräch mit einem Soldaten (Quelle: PAO / EinsFüKo/Bundeswehr)

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Alle ein bis zwei Jahre sammelt Roger Hogan, ein ehemaliger Angehöriger der US-Armee, Geld für den Druck von Bibeln. Immer wenn 10.000 Dollar zusammen sind, lässt er 3.000 Exemplare drucken, mit einer kleinen Einführung in den Glauben versehen, mit einem Einband im Flecktarnmuster binden und verteilt sie über die Militärpfarrämter an die Soldatinnen und Soldaten.

Auch in den Einsatz „Mission Counter Daesh” habe ich die Bibel mitgenommen. Dass sie bei den Kameraden auf Interesse stoßen, zeigen die beiden kleinen Szenen, die ich kürzlich erleben durfte.

Beim Abendessen sprachen mich zwei Kameraden an: „Herr Pfarrer, könnten Sie einen Teppich für unsere Kapelle brauchen?” Ich staunte nicht schlecht: ”Einen Teppich? Wo haben Sie einen Teppich her?” „Wir haben ihn aus der Kapelle im Niederländischen Camp. Wir haben dort bei der Lagerräumung mitgeholfen und der Teppich war übrig. Da haben wir uns gedacht...” Ich schaute mir die „Beute” an. Es waren rund 80 qm Teppichboden, die genau in unsere Kapelle passten. Leider ziemlich verschmutzt und versandet. Also trommelten die Kameraden noch ein paar andere Soldaten zusammen und zu siebt wurde der Teppich nun mit 400 Litern Wasser und Handbürsten sowie einem Nassstaubsauger in den folgenden drei Stunden gereinigt.

In der Pause stöberte einer der Soldaten, der sonst noch nie in einer Kirche war, ein bisschen in der Bücherecke herum. Er nahm sich eine der dort ausliegenden Flecktarnbibeln und blätterte darin. Beim Buch Levitikus blieb er hängen und las einige Zeilen. Wenig später kam er aufgeregt zu mir: „Da sind ja richtige Verordnungen und Gesetzestexte drin!” Wir kamen miteinander ins Gespräch.

Ich hatte noch nie erlebt, dass jemand über die gesetzlichen Texte des Alten Testaments zum Bibellesen gekommen ist - aber wer in der Bundeswehr vor allem mit Regelungen und Verordnungen beschäftigt ist, der findet in diesen - für den Normalverbraucher - trockenen Texten einen willkommenen Anknüpfungspunkt. Wir kamen noch weiter ins Gespräch und ich durfte das Herz des Soldaten auch für noch andere sehr schöne biblische Texte öffnen.

Die Bibel als Mittel gegen die Langeweile? Warum nicht? Denn sie wirkt!

Nicht auf jedem Dienstposten hier im Camp Sonic gibt es rund um die Uhr etwas zu tun. Manchmal ist es eben einfach auch langweilig. Das gehört zum Soldatenleben einfach mit dazu. Wichtig ist nur, wie man diese Zeiten ohne dienstliche Anforderungen für sich gestaltet und nutzt. Mancher hat da gute Einfälle und lernt für sein nachgeholtes Abitur, ein anderer bastelt etwas für seine Freundin, wieder einer geht in den Musik-Container und lernt das Gitarre spielen. Um die Kameraden auf Ideen zu bringen, hefte ich jeden Tag eine andere „Idee des Tages” an die Tür unserer Campkirche. An dieser Tür kommen alle Kameraden vorbei, wenn sie zum Essen gehen.

Einmal hatte ich auch den Tipp: „Lese in der Bibel” und klein hatte ich dazugeschrieben: „Geh in die Kirche und hole dir eine Flecktarnbibel, sie ist ein Geschenk für dich.” Im Laufe der nächsten zwei Wochen wurden vier Bibeln mitgenommen. Zwei Kameraden haben mich inzwischen darauf angesprochen, weil sie manche Dinge, die sie lasen einfach „nicht glauben” konnten. So kamen wir miteinander ins Gespräch, wie die alten Texte zu verstehen sind und was Glauben bedeutet.

Danke an Roger Hogan und seine Freunde, dass wir die Möglichkeit haben, diese für Soldaten so attraktiven Flecktarnbibeln weiter zu geben.

Siehe auch den Bericht vom 25.04.2019

Quelle: Militärpfarramt Neuburg/Donau, Al Azraq/Jordanien, 07.04.2019, Militärseelsorge.